Liip eCom Fly – eCommerce zum Fliegen bringen – Bericht zur Konferenz

Die erste Ausgabe der Liip eCom Fly Konferenz fand am 28. Oktober in der Giesserei Örlikon statt – und stand ganz unter dem Thema “eCommerce zum Fliegen bringen”.

Nachdem wir im Vorfeld zur Konferenz das Organisationsteam interviewen durften, waren wir natürlich umso gespannter auf den Event. Hier folgt nun unser Bericht zur Konferenz und unseren Erkenntnissen und Erlebnissen. Wir haben bereits im Vorfeld über die Konferenz berichtet.

 

“Culture meets skills” mit Alina Hodzode

 

Die Konferenz startete mit Alina Hodzode‚s Vortrag zum Thema “Culture meets skills”. Sie referierte über das Recruiting und Strategien im eCommerce und sprach davon, dass man ein eCommerce-Business von der Vision heraus entwickeln sollte.

Eine Vision sowie Motivation sind unabdingbar, um ein eCommerce-Business führen zu können. Denn sie sind die Zutaten für Leidenschaft, welche für den Erfolg eines Unternehmens notwendig ist.

Es bedarf 3 verschiedene Menschen-Typen, mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten, damit ein eCommerce-Unternehmen erfolgreich sein kann: Das Dream-Team, wie es Hodzode nennt. Dieses besteht aus:

 

  • Dem oder der Ideengeber_in
    Er oder sie produziert Ausdruck ohne Ende. Seine oder ihre Aufgabe besteht darin, Dinge neu zu erfinden und um die Ecke zu denken. Oder anderes formuliert: Er oder sie muss das Business jeden Tag neu erfinden.
  • Der oder dem Übersetzer_in
    Er oder sie ist das Hirn des Dream-Teams. Diese Person nimmt den Ausdruck des Ideengebers auf und wandelt sie in Datenströme um. Will heissen, sie oder er findet den Beweis dafür, weshalb etwas gut ist oder funktioniert. Der oder die Übersetzer_in sorgt für die Messbarkeit des Ausdrucks.
  • Dem oder der Kommunikator_in
    Das dritte Teammitglied ist die oder der Kommunikator_in und von grosser Wichtigkeit für das Unternehmen. Dies sind die Personen mit der grössten Kundennähe. Sie vertreten die Bedürfnisse der Kundin oder des Kunden innerhalb des Unternehmens. Sie haben sehr gute Fähigkeiten im Umgang mit Menschen und in der Kommunikation sowie die Gabe, auch schwierige Menschen, Sogenannte “Motzer_innen”, als Kundinnen oder Kunden zu gewinnen.

Das Dream-Team bringt den Mut auf, identitätsstiftend auf Unternehmen und Mitarbeitende einzuwirken, welche Schlussendlich die Identität des Unternehmens nach Aussen tragen sollen. Es bringt zudem die Erfahrung der Kundschaft zurück in das Unternehmen, um so die Dienstleistung und Produkte zu verbessern und weiter zu entwickeln.

eCommerce bei Liip

Tatjana Nebel und Oliver Price von Liip referierten über die organisatorische und plannerische Seite eines eCommerce-Vorhabens. Liip arbeitet mit der Projektmanagement-Methode Scrum und bietet dadurch einen interessanten Einblick, wie ein eCommerce-Projekt aufgegleist werden kann.

Bei der Planung eines eCommerce-Unternehmens ist es wichtig, zuerst die Strategie und die Ziele des Projektes zu definieren.
Ein Scrum-Projekt besteht aus 5 Stufen, in denen folgende Fragen geklärt werden:

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Strategie

  • Wie viel Warenkorb-Umsatz möchte ich erreichen?
  • Wie Segmenttiere ich meine Benutzenden?

 

Scope

  • Was sind die Funktionalitäten der Website?
  • Was sind die Hauptbedürfnisse?
  • Use Cases
  • Was sind die Prioritäten?
  • Roadmap

Struktur

  • Informantions Architektur
  • Navigation

Skeleton

  • Wireframes
  • Calls to Action

Surface

  • Design
  • Styleguide

Bei Liip werden mit Kundinnen und Kunden Workshops durchgeführt, bei denen auch die Designer_innen anwesend sind. Kund_innen sollen von Anfang an bei der Entwicklung und beim Design dabei sein. Auf diese weise können viele Fragen und Probleme im Vorfeld gelöst oder ganz vermieden werden, da alle wichtigen Schritte und Entscheidungen im gegenseitigem Einvernehmen getroffen werden.

Wichtig in diesem Prozess ist auch das Kickoff-Meeting. In diesem geht es darum, die Vision des Projektes zu kommunizieren und dafür zu sorgen, dass alle beteiligten Personen am selben Strang ziehen. Das Kickoff-Meeting wird daher auch oft im beisein der Kundin oder des Kunden durchgeführt.

Ebenfalls eine unabdingbare Zutat für ein erfolgreiches Scrum-Team ist gegenseitiges Vertrauen, so Tatjana Nebel.

 

“Kam das Ei zuerst und wo ist das Huhn?”

Roger Basler ging in seinem Vortrag der Frage nach, in welche Bereiche der Buyers Journey ein Unternehmen investieren sollte, um den meisten Umsatz und Return of Investment zu erhalten.

Roger zeigte auf, warum der Context dabei ein ebenso entscheidendes Erfolgselement ist wie der Content.

Er erklärte das anschaulich an einem fiktiven Beispiel:

Das Küken Karl möchte einen Online Shop für Wärmelampen aufmachen.

 

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Zu Beginn ist es recht ahnungslos, und weiss nicht so recht wo es anfangen soll. Sollte Karl mehr in Werbung investieren? Oder besser in das generieren von Traffic? Und was ist mit der Optimierung der Conversions?

Natürlich hat Karl bereits vom Customer Journey gehört. Er hat jedoch noch nicht realisiert, dass er bereits im Besitz aller wichtigen Daten seiner Kunden ist. Er braucht sie bloss

noch richtig auszuwerten und zu interpretieren.

Karl braucht also nicht zwingend mehr Daten, er braucht vorallem die richtigen Daten.
Mithilfe einer Persona kann Karl einen virtuellen Kunden definieren und so herausfinden, welche Eigenschaften seine Kunden haben. Er kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und versuchen, seine Persona als Cohorte zu definieren. Eine Cohorte ist eine Menschengrupe, die ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse miteinander teilen.

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VIU Ventures

Peter Kaiser von VIU Ventures stellte anschliessend das von Ihm und seinen Mitstreitern gegründete Unternehmen vor und erklärte anhand dieses Beispiels, wie man ein modernes und innovatives eCommerce-Unternehmen aufbaut.

Die Idee von VIU Ventures: Hochwertige Brillen zu vernünftigen Preisen online verkaufen. Wobei ein Hauptaugenmerk von VIU darauf liegt, Schweizer Design mit italienischer Produktion zu kombinieren.

VIU bietet einen Try at Home-Service an, bei dem sich die Kundin oder der Kunde, bis zu 4 verschiedene Brillenmodelle bequem nach Hause liefern lassen kann und ab dem Zeitpunkt der Lieferung 4 Tage Zeit hat, sich für ein Produkt zu entscheiden.

VIU hat innerhalb von 4 Jahren eine Basis von 20’000 Kundinnen und Kunden aufgebaut und verkauft rund 2’000 Brillen pro Monat.

Trotz des ursprünglichen Fokus auf eCommerce, hat das Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass physische Geschäfte auch im Zeitalter der digitalen Transformation eine gute Investitionen sind. Das Unternehmen hat neben der Online-Plattform shopviu.com Geschäfte in Zürich, Bern, Basel, St. Gallen, München, Berlin und Hamburg. Kaiser wies dabei auf eine Herausforderung hin, welche sich bei der Vernetzung der Off- und Online-Welt ergibt: Wie kann ich herausfinden, welche meiner Online-Besucher_innen, in mein Ladengeschäft kommen um einen Kauf ab zu schliessen? Oder Umgekehrt, welche Besucher_innen lassen sich erst im Geschäft und bestellen anschliessend online? Und wie kann ich die Effektivität meiner Online Werbemassnahmen nachverfolgen und überprüfen?

Last but not least: Die Welt der Beacons

Zum Abschluss der Konferenz sprach Alex Zimmermann von der Dating-App Blinq über das Potential und die Möglichkeiten der Beacon-Technologie. Beacon ist ein kleines Stück Bluetooth-Hardware, die es erlaubt, Personen, die in die nähe dieses Beacon kommen, zu registrieren.

Mithilfe von Publisher-Apps wie Blinq, Watson oder 20min werden die entsprechenden Daten gesammelt und an das Werbenetzwerk übertragen. Allerdings funktioniert dies nur bei eingeschaltetem Bluetooth. Die Daten der Kundinnen und Kunden, die ein Ladengeschäft besuchen sowie Besucher auf der Website einer am Werbenetzwerk beteiligten Marke können so zusammengeführt werden und einer einzelnen Person zugeordnet werden. Aber auch völlig unbekannte Passanten, die nur an einem Ladengeschäft vorbeigehen, können mithilfe der Publisher-Apps erreicht werden und z.B. mithilfe eines Coupons zum Kauf eines bestimmten Produktes ermutigt werden.

Schlusswort

Der Titel der Konferenz war “eCommerce zum Fliegen bringen” und es gab tatsächlich viele interessante Themen und Aspekte zu diskutieren. Wie man an der Konferenz gut sehen konnte, ist eCommerce kein geschlossenes Feld sondern ein vielseitiges Thema mit Berührungspunkten nach vielen Seiten. Wir sind gespannt wie sich eCommerce in der Schweiz aber auch Weltweit noch weiterentwickeln wird und freuen uns schon auf die 2. Ausgabe der Konferenz.

 

Auf bald wieder!

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