Google+ – mein Fazit

Im Rahmen meiner Projektarbeit im SOMEXCLOUD-Lehrgang Social Media Community Manager wollte ich herausfinden, ob Google+ eine geeignete Plattform für meinen Arbeitgeber, ein Schweizer Eisenbahnverkehrsunternehmen, ist.

Im Unternehmen verfolgen wir vor allem eine Brandingstrategie. Ziel ist es, dass man uns kennt, auch wenn wir nicht die SBB sind. Es hat sich gezeigt, dass das auf Facebook, Twitter, Instagram und Flickr sehr gut ankommt. Wir posten eine Mischung aus Information und Unterhaltung rund um unser Unternehmen und das Zugfahren im Allgemeinen.

Für Google+ habe ich mich entschieden, dasselbe wie auf Facebook zu posten, aber dazwischen Beiträge mit mehr Text und mehr Information zu streuen. Zudem stelle ich auch die Stellenanzeigen auf Google+.

Zuerst wurden unsere Beiträge auf Google+ kaum wahrgenommen, dann entdeckte ich die Communities. Es gibt einige, in denen sich Eisenbahnfans austauschen. Sehr gut angekommen sind dort unsere Fotografien. Sie wurden weitergeteilt und bekamen +1er. Beigetreten bin ich mit dem Unternehmensprofil Gemeinschaften von Eisenbahnfans und Communities mit mehr als zehn Mitgliedern, die das Thema öffentlicher Verkehr diskutieren.

Gleichzeitig stolperte ich über die ersten Bedienungsschwierigkeiten. Wobei, eigentlich waren es nicht die ersten. Die allererste Hürde war, dass man auf Google+ Beiträge nicht timen kann. Das konnte ich mit Hootsuite überbrücken, was jedoch für Bilder nicht ideal ist und auch nicht alle Funktionen (z. B. das Erwähnen eines anderen Profils mit +Name) bietet.

Eine Schwierigkeit bei Communities ist, dass man Beiträge in jeder Community einzeln teilen muss. Man kann nicht einen Beitrag in mehrere Communities stellen. Da jeder Beitrag auch auf unserer Profilseite wieder angezeigt wird, muss ich also entweder täglich um die elf Beiträge entwerfen, damit ich in jeder Community etwas anderes teilen kann, oder ich lebe damit, dass jeder Beitrag elf Mal auf meiner Profilseite vorkommt. Die erste Variante ist unrealistisch (ich betreue noch weitere Plattformen und habe für diese Variante zu wenig Zeit) und die zweite Variante sieht blöd aus. Zudem ist es anspruchsvoll, den Überblick zu behalten. Was habe ich wann in welcher Gemeinschaft geteilt? Um das Problem zu umgehen, habe ich zuerst die Beiträge je Community ein wenig variiert. Aber damit war der Aufwand immer noch sehr hoch. Also bin ich dazu übergegangen, nur noch in den beiden Communities mit der grössten Beteiligung zu posten.

Durch mein Projekt habe ich herausgefunden, dass Google+ dann spannend wird, wenn man sich zu Fachthemen austauschen möchte oder eine gemeinsame Leidenschaft, wie Bilder von Zügen, teilt. Aber auch Bilder kommen besser an, wenn sie zu einem Thema gehören und Text dabei ist. Die grösste Interaktion findet in den Communities statt. Damit man mithalten kann, ist es nötig, gut zu recherchierten und fachlich korrekten Inhalt zu bieten. Zudem muss man in den jeweiligen Communities, die Interesse an dem Thema habe, über das ich reden will, Mitglied sein und sich aktiv am Geschehen beteiligen. Das braucht viel Zeit. In den Communities traue ich mich nicht, dieselben Beiträge wie auf Facebook zu bringen, ausser wenn sie sich um etwas fachliches, wie z. B. den grafischen Fahrplan, drehen. Ansonsten teile ich sie einfach auf unserem Google+- Profil. Das was auf Facebook gut funktioniert, ruft auch hier Reaktionen hervor. Ob im selben Ausmass kann ich noch nicht beurteilen, weil wir auf Facebook rund 50 Mal mehr Fans haben. Das macht den Vergleich schwierig.

Ich kann mir vorstellen, dass Google+ gut zu jemandem passt, der selbständig tätig ist. Wenn die Themen, die man beruflich bearbeitet, auch die Themen sind, in denen man sich auskennt. Oder wenn man für einen Fachbetrieb kommuniziert, der sich auf ein Themengebiet beschränkt (z. B. Thema Kommunikation). Für unsere Brandingstrategie jedoch ist Google+ nicht ideal. Wir haben Themen aus den verschiedensten Bereichen: Angebote der Bahnreisezentren, unsere Werkstätten, Bauarbeiten, der Fahrplan, was gehört technisch zum Zug usw. Da kann ich mich nicht überall auskennen. Und es interessieren sich unterschiedliche Communities dafür. Diejenigen, die Bilder unserer Züge toll finden, sind nicht dieselben, die täglich mit uns fahren und wissen möchten, wo die Bauarbeiten sind.

Die Tiefe an Information, die ich für Google+ bieten muss, bedingt gründliche Recherche. Für Facebook reichen ein Bild und ein knackiger Satz. Das passt besser zu uns und zu unserer Themenbreite. Für jeden Beitrag intensiv zu recherchieren, ist zu viel Aufwand für nur eine Plattform.

Aber eine spannende Erfahrung war es auf jeden Fall. Wir werden Google+ beibehalten und Fachthemen die wir für ein anderes Medium wie unsere halbjährliche Zeitschrift gründlich aufbereitet haben, weiterhin auch auf Google+ verbreiten. Wir werden jedoch nicht explizit für Google+ recherchieren, sondern weiterhin die Beiträge, die wir auf Facebook posten, teilen. Übrigens habe ich festgestellt, dass die meisten unserer Mitbewerber das auch so halten.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen.