Lernen mit Social Media – im Arbeitsalltag genauso wie in Schule oder Studium

Massive Open Online Courses (MOOCs), Flip Teaching oder Blended Learning – bei #somexonair haben wir über digitale Lernstrategien und passende Tools gesprochen.

Zu Gast waren Eva-Christina Edinger und Philippe Wampfler. Eva-Christina Edinger ist Dozentin und Mitarbeiterin der Fachstelle Digitales Lehren und Lernen in der Hochschule an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. Auf ihrem Blog schreibt sie über Fortschritte und Erkenntnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Philippe Wampfler ist Lehrer und bloggt regelmässig über seine Erfahrungen mit digitalen Techniken im Klassenzimmer. Anfang dieses Jahres hat er zudem sein erstes Buch „Facebook, Blogs und Wikis in der Schule“ veröffentlicht.

Im Internet gibt es keine klare Rollenverteilung

Eine klare Trennung zwischen Lernenden und Lehrenden gibt es beim digitalen Lernen eigentlich nicht mehr, sagte Philippe Wampfler. Wichtig sei nur noch, dass Lerninhalte teilbar sind und auch, dass diese von vielen Personen editiert und möglichst einfach abgerufen werden können. Expertenwissen wird vielfach über Social Media geteilt und jeder hat die Möglichkeit sowohl Lernender als auch Experte zu sein. Dabei bieten professionell aufgebaute und gut gepflegte Netzwerke insbesondere Rückhalt, wenn es darum geht Ansprechpartner oder geeignete Tools zu finden, meinte Philippe Wampfler. In diesem Zusammenhang unterscheidet sich das Klassenzimmer auch nicht vom Lernumfeld, mit dem man es im Arbeitsalltag in einem Unternehmen zu tun hat.

Einfache Tools steigern die Lernbereitschaft 

Welche Instrumente den Lernprozess unterstützen können, hängt oft von den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Lehrenden und Lernenden ab. Grundsätzlich sollten Tools einfach zu handhaben sein und nur wenig Lernzeit in Anspruch nehmen, betonte Philippe Wampfler. Zudem steige die Bereitschaft am kollaborativen Arbeits- und Lernprozess teilzunehmen, wenn die technischen Hürden möglichst einfach genommen werden können. Hier kann ein einheitliches Graphical User Interface (GUI) hilfreich sein, erklärte Eva-Christina Edinger. Gemeinsam mit ihren Studierenden entscheidet sie, welchen Bedürfnissen die Tools gerecht werden müssen und zum Einsatz kommen. Auch das Reflektieren über die Möglichkeiten und Risiken, die durch den Umgang mit Social Media entstehen, sei ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Dozierenden, sagte Eva-Christina Edinger. Auch diesbezüglich gibt es Parallelen zwischen Hochschulen und Unternehmen, die sich über die Lernprozesse ihrer Mitarbeitenden Gedanken machen.

Umgang mit sensiblen Daten?

Nicht immer sind Tools wie Google Drive nutzbar, wenn es sich um sensible Daten handelt oder offizielle Richtlinien des Bildungsinstituts oder des Unternehmens den Einsatz untersagen. Alternativ gibt es Teameditoren wie Edupad, bei denen gewisse Sicherheitseinstellungen möglich sind, sagte Eva-Christina Edinger. Auch in diesem Fall gilt: Inhalte und Lernziele definieren und danach entscheiden, mit welchen Instrumenten sich diese realisieren lassen.

Digitale und analoge Lernprozesse kombinieren

Nicht immer reicht es aus Wissen ausschliesslich digital zu vermitteln und der physische Raum ist noch immer von Bedeutung. Mit Blick darauf wurden Massive Open Online Courses (MOOCs), Flip Teaching und Blended Learning angesprochen. Grundlagen könne man sich gut alleine aneignen um die Diskussion in den Fokus der Lehrveranstaltung mit den Dozierenden zu stellen, beschrieb Eva-Christina Edinger diese Konzepte.

Für die Zukunft wünscht sich Philippe Wampfler mehr Flexibilität für Lernprozesse. Das heisst auch, dass Wissen für Viele zur Verfügung steht und weniger an Räumlichkeiten gebunden ist, wie das oft bei Volksschulkursen oder Lehrveranstaltungen mit Präsenzpflicht an Hochschulen und Universitäten der Fall ist. Auch Unternehmen können sich daran orientieren. MOOCs, die beispielsweise auf Coursera auch von Eliteuniversitäten wie Stanford und Yale angeboten werden, sind eine Möglichkeit Wissen frei zugänglich zu machen. Wer sich einschreibt, kann häufig auch an den Abschlussprüfungen teilnehmen. Auch die Universität Zürich möchte – wie im Bild oben gezeigt – das Potential von MOOCs nutzen und bietet im kommenden Semester erstmals einen Onlinekurs an.

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