Rezept für einen persönlichen Shitstorm

Shitstorm ist das Wort des Social Media-Zeitalters. Viel wird darüber geschrieben, wie man mit Shitstorms umgeht, wie ihnen vorgebeutgt oder gar wie er lanciert werden kann. Doch wie produziert man seinen eigenen persönlichen Shitstorm? Ganz einfach, wie die unzähligen Beispiele der jüngeren Vergangenheit zeigen.

Zu diesem Beitrag hat mich der Blogpost von Roman Kappeler „Du sollst nicht meine privaten Direktnachrichten veröffentlichen“ inspiriert. Darin geht es im Wesentlichen um Leute, die mit Vorliebe in diversen Social Media-Plattformen ihren Frust, ihre Wut oder Enttäuschung veröffentlichen. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Wenn jedoch noch persönliche Angriffe, Beleidigungen oder Blossstellungen dazu kommen, ist die Voraussetzung für einen persönlichen Shitstorm schon mal sehr gut.

Die Zutaten sind ganz einfach:

1. Negative Gefühle (Wut, Frust, Enttäuschung, Rachegefühle etc.)

2. Persönliches (Beleidigungen, Beschuldigungen, Blossstellungen etc.)

3. Social Media mit grosse Reichweite (mit Vorliebe Facebook oder Twitter)

Nationalrätin Jacqueline Badran hat unlängst ein sehr gutes Beispiel für einen Shitstorm geliefert („Rauchende Nationalrätin aus Club geworfen“). Jedoch ging bei ihr der Schuss nach hinten los. Statt dass der Shitstorm über das Lokal zog, dass sie an den Pranger stellen wollte, ging dieser über sie los. Ihre Wut (Zutat Nr. 1) schrieb sie auf, veröffentlichte die (angebliche) Misshandlung (Zutat Nr. 2) im Netz (Zutat Nr. 3). Schon nahmen die Medien die Story dankbar auf (Promis oder bekannte Institutionen verleihen jedem Shitstorm jeweils eine besondere Würze). Der Shitstorm zog kurz und heftig über sie her und sie erlitt einen Imageschaden. Zum Schluss musste sie sich beim Beschuldigten entschuldigen, wo sie doch eine Entschuldigung forderte.

Solche Geschichten ereignen sich jeden Tag unzählige Male. Einige werfen grössere Wellen auf als andere. Promis, Politiker, Wirtschaftsgrössen und „Normalos“ treten tagtäglich ins mediale Fettnäpfchen. Frustriert über das Plastiksäckliverbot? Aufgeschrieben und gepostet. Zack! Shitstorm über Ueli Tobler. Wütend auf die Ex-Freundin? Intimes Video auf Facebook posten. Zack! Shitstorm über ein naives Mädchen und Unbeteiligte. Nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie Kündigungen ausgesprochen werden? Live vom Info-Anlass twittern. Zack! Shitstorm über das Unternehmen (und die Community Managerin wird es schwer haben, bald einen neun Job zu finden).

Heute ist niemand mehr davor gefeit, dass Persönliches jeglicher Art den Weg in die Öffentlichkeit findet, trotz aller Vorsichtsmassnahmen. Warum? Weil die Nutzer von Social Media nach wie vor Menschen sind. Es liegt in der Natur des Menschen, seinen Gefühlen (ob negativ oder positiv) Ausdruck zu verleihen. Mit den heutigen medialen Möglichkeiten war es nie so einfach, grosse Reichweite zu erreichen. Und leider tendieren die Menschen auch dazu, sich eher an Negatives als an Positives zu erinnern. Doch was bezwecken diese Menschen mit der Veröffentlichung ihrer Frustration? Ich weiss es nicht. Vermutlich Bestätigung oder Unterstützung in irgendeiner Form.

Was also tun? Wie beim Kochen gilt auch hier: Wollt ihr, dass das Menü misslingt, müsst ihr eine wichtige Zutat weglassen. In diesem Fall die Social Media. Schreibt ruhig euren Frust, eure Wut oder Entrüstung von der Seele. Aber ja nicht posten!

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